Pfeilauswahl !

Die richtige Pfeilauswahl ist eine kleine Wissenschaft für sich. Es braucht sehr viel Erfahrung, um sehr gut passende Pfeilen zu finden. Außerdem ist ein sehr guter Pfeil für die Halle im allgemeinen nicht besonders gut geeignet für einen Fitaschützen, um auf 70m oder gar auf 90m zu schießen. Es gibt von den Pfeilherstellern ausgearbeitete Tabellen die gute Richtwerte für die Pfeilauswahl liefern. Der Anfänger sollte sich nach diesen Empfehlungen richten. Dort werden immer mehrere Pfeilschäfte als geeignet genannt, was dem Schützen dann erlaubt, je nach Einsatzzweck den einen oder auch den anderen Schaft zu wählen. Erfahrenere Schützen werden sich jedoch nicht immer 100%-ig an diese Tabellen halten, sondern abhängig von den Ergebnissen, die sie auf der Scheibe mit den verschiedenenen Schäften schießen, auch gegebenenfalls davon abweichen.

Im folgenden will ich an einem kleinen Ausschnitt der Pfeiltabelle von Easton erklären, wie diese zu interpretieren ist und worauf man achten sollte. Ich habe die Pfeiltabelle von Easton gewählt, weil Easton meiner Meinung nach der wichtigste Pfeilhersteller ist. Er hat eines der größten, wenn nicht sogar das größte Sortiment. Dadurch ist die Pfeiltabelle relativ umfangreich, und bereitet Anfängern unter Umständen ein paar Probleme. Die Pfeiltabelle umfaßt normalerweise den Pfeillängen-Bereich von 23 bis 32 Zoll und Zuggewichte von 28 bis 76 lbs. Um die Pfeiltabelle im Rahmen dieser Erklärung übersichtlicher zu bekommen habe ich beide Bereiche stark eingeschränkt. Ich denke aber, dass Sie, wenn Sie den unten stehenden Ausführung folgen konnten, bei der original Tabelle auch keine Schwierigkeiten haben sollten. Ich habe die nach meiner Ansicht für die weitere Erklärung wichtigen Bereiche markiert und nummeriert.

Im obigen Bild ist zu sehen, was in der unten stehenden Tabelle als Pfeillänge bezeichnet wird. Es ist also die Entfernung des Nockbetts bist zum vorderen Ende des Pfeilschafts. Die Länge der Spitze spielt demnach also keine Rolle. Easton empfielt, aus Sicherheitsgründen die Länge des Pfeilschafts so zu wählen, dass er bei vollem Auszug 1 Zoll über die vordersten Auflagepunkt der Pfeilauflage hinausragt. Um schnellere Pfeile schießen zu können, verkürzen viele Compoundbogenschützen gerade diesen Sicherheitsbereich wenn ihre Bögen eine sogenannte "Harte Wand" also einen gut fühlbaren Auszugsstop haben. Ich werde diese Praxis hier jedoch weder empfehlen, noch davon abraten.

Gehen wir beispielsweise im folgenden davon aus, Sie hätten festgestellt, dass Sie eine Pfeillänge von ungefähr 28 Zoll benötigen und ein maximales Zuggewicht von etwa 50 lbs auf ihrem Bogen haben. Der dazu passende Ausschnitt der Pfeiltabelle ist unten abgebildet.

Betrachten wir die einzelnen Bereiche einmal genauer:

1. Dem ersten Bereich ist zu entnehmen, dass die Pfeiltabelle für Compoundbögen gilt, die mit einem Release geschossen werden und dass es sich bei den unten angegebenen Auszugsgewichten um das maximale, also das sogenannte Gipfelzuggewicht handelt. Der Hinweis darauf, dass der Compoundbogen mit einem Release geschossen wird, ist wichtig. In dem Fall, in dem man mit einem sogenannten Tab auslöst, sollte man zum Gipfelzuggewicht 5lbs dazurechnen, da man beim Auslösen nicht nur eine Beschleunigung in Schußrichtung sondern auch senkrecht dazu hat. Das liegt einfach daran, dass man mit einem Release etwas "sauberer" lösen kann. Man gelangt also, wenn man ohne ein Release löst, in der Tabelle eine Zeile tiefer.
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Diese Markierung erklärt, dass man beim Aufsuchen der zugehörigen Zeile in der Tabelle auf die Art des Compoundbogens achten sollte. Was IBO und AMO ist, habe ich schon bei der Beschreibung des Compoundbogens erläutert, daher verzichte ich an dieser Stelle darauf. Ich empfehle Ihnen aber, den Bildchen der Cams keine allzu große Beachtung zu schenken, da Sie in vielen Fällen sonst die falche Entscheidung treffen. Richten Sie sich nach der IBO des Bogens. Sollte diese nicht bekannt sein und auch über den Händler oder die Internetseite des Herstellers nicht herauszufinden sein, so richten Sie sich am besten nach der Standhöhe (siehe Beschreibung des Compoundbogens). Sollte diese 7½ Zoll oder kleiner sein, so wählen sie den Hardcam andernfalls den Medium Cam. Soft-Cam - Bögen sind kaum mehr erhältlich.
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Haben Sie also die richtige Zeile gefunden, so richtet sich die Spalte nach der Pfeillänge gemessen in Zoll. Haben Sie diese bestimmt, so suchen Sie unter "Shaft Modell" das Schaftmodell des jeweiligen Herstellers, für das Sie sich interessieren. Auf den Internetseiten der Pfeilhersteller können sie recht umfangreiche Informationen über die einzelnen Modelle erhalten. Das Schaftmodell bestimmt zum Großteil den Preis eines Pfeils. Die Länge hingegen beeinflußt diesen nicht im geringsten. Das Shaftmodell bestimmt auch, ob Sie einen Aluminium oder z.B. einen Carbon Schaft wählen. Sie sollten sich also darüber ein paar Gedanken machen. Die Angabe "Shaft-Size" erscheint recht kryptisch. Ich werde diese aber weiter unten erläutern. Wichtig hier ist fürs erste nur, dass durch "Shaft-Modell" und "Shaft-Size" der Schaft eindeutig festgelegt ist und sie sich damit zusammen mit Ihrer Pfeillänge bei Ihrem Händler die Pfeile bestellen können. Die Angabe "Shaft Weight" ist deshalb angegeben, weil das Schaft-Gewicht einen großen Einfluß auf die Geschwindigkeit und damit auf die Flugbahn ihres Pfeiles hat.
Ihnen wird sicherlich aufgefallen sein, dass manche Einträge unter "Shaft Weight" mit einem Buchstaben enden. Da es eine große Auswahl von Alupfeilen gibt ist es in vielen Fällen möglich mehrere Modelle zu wählen. Die Buchstaben geben dabei an, ob es in Bezug auf die Anforderungen an den Pfeil eher um einen steifen und einen weniger steifen Pfeiltyp handelt. "A" bedeutet dabei steifer als "B" und "B" ist wiederum steifer als "C".

Zum Schluß will ich noch auf die Spezifikation von Aluschäften eingehen und danach kurz auf Carbon-Schäfte zu sprechen kommen. Der Aufdruck eines Easton-Alu-Schafts könnte zum Beispiel wie folgt aussehen:

Ein Blick auf die Homepage von Easton zeigt, dass es sich beim Modell X7 um einen Aluschaft handelt. Wie die Beschriftung schon zeigt, werden Aluschafte durch eine vierstellige Zahl gekennzeichnet. Die ersten zwei Stellen geben den Außendurchmesser des Pfeilschafts in 64-igstel eines Zolls an. Der gezeigte Pfeil hätte damit einen Außendurchmesser von 25/64 Zoll, was ca. 0.99 cm entspricht. Die letzten beiden Stellen geben die Wandungsdicke des Alu-Schafts in 1/1000 Zoll an. Diese Wandungsdicke hat einen großen Einfluß auf das Gewicht des Pfeiles. In diesem Fall wären das 14/1000 Zoll, was etwa einer "mittleren" Dicke entspricht. Wenn sie einen Pfeilschaft mit geringerer Wandungsstärke wählen sollten, müssen Sie bedenken, dass die Stabilität darunter leidet. Die dünnste Wandstärke ist 12/1000. Pfeil-Schäfte dieser Stärke gelten jedoch als hochempfindlich. Meiner Meinung nach sind diese für den Anfänger daher nicht geeignet. Wesentlich größere Wandstärken als 14/1000 sind hauptsächlich für die Jagt geeignet. Es gibt bei Easton meines Wissens nach Wandstärken bis hin zu 20/1000.

Bei den Carbon- bzw. den Alu-Carbon-Schäften hat nahezu jeder Schaft seine eigene Kodierung. Da es darüber hinaus meiner Kenntnis nach auch wesentlich mehr Hersteller von Carbonpfeilen als von Alupfeilen gibt, will ich mit dem nächsten Beispiel nur eine kleine Starthilfe geben. Ich will daher das Ganze auch nicht zu detailiert besprechen. Betrachten wir das unten stehende Bild:

Ich habe hier den ACE Schaft als Beispiel genommen, da man an diesem viele grundlegende Dinge erläutern kann. Der ACE besteht aus einem Aluschaft, der mit Carbon umwickelt ist. Im obigen Beispiel handelt es sich um einen "1206" Aluschaft. Die Bedeutung dieser Zahl ist im vorherigen Beispiel erklärt. Ich will mich daher auf die restliche Beschriftung konzentrieren. Der gezeigte Schaft hat einen Spinewert von 370. Der Spinewert gibt die Durchbiegung (gemessen in 1/1000 Zoll) eines 29 Zoll Schafts an, mit der er auf ein mittig angebrachtes Gewicht von 880g reagiert. Der Schaft ist dabei auf zwei 28 Zoll entfernten Punkten gelagert. Daher stehen niedrigere Spine-Werte für steifere Pfeile. Das "G" hinter der "1206" bezeichnet die Serie. Wenn Easton den Aufbau des ACE irgendwie ändern sollte, wird das durch die Änderung des Serien-Codes ersichtlich. Sie sollten also keine verschiedenen Seriencodes mischen.
Bei Carbonschäften und insbesondere bei den teureren Modellen, sollten sie darauf achten, dass die Schäfte aus einer Verpackung kommen. Dadurch ist dann garantiert, dass sich die Pfeile sowohl im Gewicht als auch im Spine-Wert mehr gleichen. Da Carbonpfeile beim heutigen Stand der Technik nicht so gleichartig sind wie z.B. Alupfeile, sortieren Hersteller wie Easton die Pfeile in einer Verpackung so, dass diese beiden Kennzahlen bei den Pfeilen einer Verpackung sich gut entsprechen. Damit will ich meine Ausführungen über Pfeilschäfte erst einmal beenden und auf die weiteren Komponenten eines Pfeils eingehen.

Fangen wir hinten am Pfeil an. Zu den Nocks gibt es aus meiner Sicht nicht viel zu sagen. Je nach Pfeilschaft muß ein passender Nock gewählt werden. Dabei gilt es zu beachten, dass manche Schäfte noch kleine Adapterstücke benötigen. Details finden Sie meist beim jeweiligen Pfeilhersteller. Auch gibt es die Nocks in verschiedenen Größen, um der Dicke ihrer Mittelwicklung gerecht zu werden.

Kommen wir jetzt zu den Fletches. Es gibt diese in verschiedenen Formen, Größen und nicht zu vergessen Materialien. Man kann verschiedene Kunststoffe verwenden, aber auch Naturfedern nehmen. Die Wahl der Fletches hat einen großen Einfluß auf das Flugverhalten. Daher sollte man die Fletches je nach Anforderung wählen. Beispielsweise schießt man in der Halle lieber Fletches, die den Pfeil relativ schnell stabilisieren, da dort meist nur auf recht kurze Entfernungen geschossen wird. Derartige Fletches haben damit aber einen höheren Luftwiederstand und eignen sich daher nicht für einen Schuß im Freien auf z.B. 90m. Ich will im folgenden 2 haüfig verwendete Typen besprechen.

Die "Normalen Fletches" können genauso wie die sogenannten Kurly Vanes, die unten gezeigt werden sowohl gerade, als auch leicht gekrümmt aufgeklebt werden. Sie stabilisieren den Pfeil langsamer als Kurly Vanes von gleicher Größe, haben damit aber auch einen kleineren Luftwiderstand als diese.
Das linksstehende Bild zeigt Kurly Vanes. Sie werden in der Halle aus dem oben schon angesprochenden Grund gerne verwendet. Man kann sie jedoch auch draußen auf größere Entfernungen einsetzen. In letzterem Fall sollte man aber keine "zu großen" Modelle wählen.

Wenn der Schaft feststeht, die Fletches und der Nock gewählt wurden, stellt sich auch noch die Frage, welches Gewicht muss die Spitze haben. Diese Frage kann nicht auf das letzte Grain genau beantwortet werden. Man hat jedoch Richtwerte, die über die Lage des Schwerpunktes dieses Gewicht bestimmen. Betrachten wir zuerst einmal folgendes Bild:

Das Gewicht der Spitze sollte so gewählt werden, dass der Schwerpunkt - wie im Bild zu sehen - weiter vorne liegt, als die Mitte des Bereichs, der als die Pfeillänge gewertet wird. Die Länge, um die der Schwerpunkt weiter vorne liegt, als diese Mitte, wird als F.O.C. (Front of Center) genannt. Dieser Wert wird in Relation zur gesammten Pfeilänge bestimmt und in % angegeben. Als Formel ergibt sich demnach(Beim Klicken auf die untenstehende Abb. öffnet sich ein Dialogfeld, dass Ihnen die Berechnung ermöglicht):

Wie groß sollte FOC denn nun gewählt werden ? Die folgende Tabelle gibt die Bereiche an, die sich als günstig erwiesen haben. Man unterscheidet dabei zwischen Pfeilen, die fürs Zielscheibenschießen gedacht sind, und Jagdpfeilen. Der Unterschied liegt in der Spitze und ist auch ohne weitere Erläuterung sofort ersichtlich:

Spitze fürs Scheibenschießen Jagdspitze

Nachdem der Unterschied zwischen einem Jagdpfeil und einem "normalen" Pfeil deutlich geworden ist, kommen wir nun zu der Angabe der F.O.C. - Werte. Die folgende Tabelle listet diese auf. In den Fällen, in denen nicht ausdrücklich von einem Jagdpfeil die Rede ist, handelt es sich um Pfeile fürs Scheibenschießen:

PfeilsorteF.O.C.
Aluminium Pfeil 7%-9% F.O.C.
Carbon, Alu-Carbon 9%-16% F.O.C.
Jagdpfeil 10%-15% F.O.C.

Die obige Formel eignet sich, um bei einem fertigen Pfeil nachträglich die F.O.C. zu bestimmen. Bei der Frage, welche Spitze man jedoch wählen sollte, um eine beabsichtigte F.O.C. zu erhalten, hilft sie jedoch nicht weiter. Für diese Zweck benötigt man eine detailierte Betrachtung aller im Pfeil befindlichen Massen und deren Position innerhalb des Pfeils. Da man in realen Beispielen den Schwerpunkt der einzelnen Komponenten nur schätzen kann, sollte man die Ergebnisse deratiger Berechnung als Näherungswert der realen F.O.C. betrachten.

Wir haben - wie man in der letztgezeigten Abb. sehen kann - vier Gewichtsangaben und drei relevante Entfernungen.

Gewichtsangaben Entfernungen/ Längen
  • Spitze einschließlich eventueller Adapter
  • Schaft
  • Fletch
  • Nock einschließlich eventueller Adapter
  • Entfernung Nockbett bis Schaft
  • Entfernung Schwerpunkt der Fletches zu Nockbett
  • Pfeillänge (ohne Spitze)

In der folgenden Formel werden Annahmen gemacht, die nicht für alle Komponenten zutreffen werden. Da jedoch jede allgemeine Formel solche Annahmen enthält werden, alle diese Formeln nur Näherungslösungen liefern. Die Annahmen sind im einzelnen:

Damit ergibt sich folgende Formel (Beim Klicken auf die untenstehende Abb. öffnet sich ein Dialogfeld, dass Ihnen die Berechnung ermöglicht):

Die Bezeichnungen sind dabei so gewählt, dass Δ wie in der Abb. schon gezeigt jeweils die Entfernung der entsprechenden Komponente zum Nockbett und m deren Masse bezeichnet. Sp steht dabei für Spitze, Sch für Schaft u.s.w. .