Der Compoundbogen ist eine Weiterentwicklung des Bogens ohne Rollen. Es gibt ihn in zwei verschiedenen Ausführungen (von Exoten wie z.B. die Oneida Eagle Bows mal abgesehen). Man teilt die Bogen nach der Anzahl ihrer Cams in 'one cams' oder 'two cams' ein. Der Unterschied dieser beiden Konstruktionen liegt im Wesentlichen im Tuning des Bogens, da beim 'two cam - Design' sichergestellt werden muss, dass die beiden Rollen absolut synchron laufen, um optimale Schussleistungen zu ermöglichen.
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Die noch zu klärende Frage ist nun, was diese scheinbar so seltsam geformten Rollen bewirken. Um diese Frage zu beantworten, müssen wir ein klein wenig Physik machen. Ich werde versuchen, mich an dieser Stelle auf ein notwendiges Minimum zu beschränken. Zuerst muss man verstehen, was ein Bogen macht.
Ein Bogen wird von Muskelkraft gespannt. Es wird potentielle Energie (Lageenergie) aufgebaut. Beim Lösen (also dem Abfeuern des Pfeiles) wird diese Lageenergie in kinetische Energie (Bewegungsenergie) umgesetzt. Die beim Ausziehen des Bogens aufgebaute Energie gehorcht dabei recht einfachen physikalischen Gesetzen. Die meisten von Ihnen werden das folgende Gesetz kennen:
Energie(Arbeit) = Kraft * Weg (in Richtung der Kraft).
Die beiden folgenden Diagramme sollen zum besseren Verständnis beitragen. Auf der linken Seite sehen Sie das Auszugsdiagramm eines 'normalen Bogens' und rechts das eines Compoundbogens. Dargestellt ist die Haltekraft auf der 'Y-Achse' in der für den Bogensport üblichen Krafteinheit lbs (~ 4,5 Newton), die man aufbringen muss, um den Bogen bei dem auf der 'x-Achse' angegebenen Auszug (angegeben in Zoll ~ 2,54cm) zu halten.
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Das Schöne an dieser Darstellung ist, dass wir eine geometrische Darstellung dieses so schwer begreifbaren Begriffs der Energie erhalten. Die Energie ist die schraffierte Fläche unter beiden Kurven. Und wie unschwer zu erkennen ist, ist die Energie des Compoundbogens größer. Nun können wir endlich den Zweck der Rollen (Cams) verstehen. Über die Form der Rollen kann man die Auszugskennlinie nach seinen Wünschen verändern. In der Praxis sind die Rollen Bestandteil des Compoundbogens und werden vom Bogenhersteller konstruiert.
Die Veränderung des Auszugsdiagramms mit Hilfe der Cams hat aber nicht nur den Grund, die gespeicherte Energie des Bogens zu erhöhen, sondern ihn auch besser in seinen Zielfähigkeiten zu machen. Ihnen ist bestimmt aufgefallen, dass die Auszugskennlinie eines Compoundbogens auf den letzten Zoll wieder abfällt. Das hat den Grund, dass man bei vollem Auszug zielt. Die wenigsten Compound- Bogenschützen wären in der Lage, ihr volles Zuggewicht von meist um 60lbs(gesprochen libs) bei vollem Auszug zu halten und gleichzeitig sicher zu zielen. Als Zuggewicht eines Bogens wird immer sein maximales Zuggewicht angegeben. Das Maß, meist angegeben in %, um das dieses maximale Zuggewicht bei vollem Auszug reduziert wird, nennt man Zugreduzierung oder auch 'let off'. Bei den meisten Bogen liegt das 'let off' bei mehr als 50%. Im Falle des im Diagramm gezeigten Bogens haben wir 66%.
Es gibt zwischen den verschiedenen Compoundbögen gewisse charakteristische Unterschiede, die man kennen sollte, um das richtige Modell zu wählen. Lesen Sie weiter ...