Es gibt im Bogenschießen ein paar wichtige Kenngrößen, die von den Bogenherstellern angegeben werden und das Schussverhalten eines jeden Compoundbogens zu beurteilen erleichtern. Wenn Sie schon mal die Aufschrift auf einer Sonnenmilchtube mit Lichtschutzfaktor 35 (... verleit tiefe und gleichmäßige Bräune) gelesen oder auf den Frequenzgang eines Computerlautsprechers mit 3 Zoll Membrandurchmesser geachtet haben, wissen Sie, warum die Kennzahlen so wichtig sind. Auf die Werbetexte dürfen Sie nicht viel geben. Also getreu dem Focus Motto: Fakten, Fakten und ... (Warum die Ausgabe eines jeden Focus aber so dick ist, kann ich damit leider nicht erklären. Denn an den Fakten allein, kann das wohl nicht liegen... .)
Bevor ich jetzt noch abschweife, zurück zum Thema. Wir betrachten den folgenden Bogen und die dazu angegeben Spezifikationen:
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Die oben abgebildeteten Daten sind im Allgemeinen alles, was Sie an Informationen über einen Bogen wünschen können. In den allerseltensten Fällen werden Sie das zu Ihrem Bogen gehörende Auszugsdiagramm finden. Betrachten wir nun, was man mit den oben dargestellten Informationen anfangen kann:
Die Bezeichnungen sind bewusst in Englisch gehalten, da Sie auf den Homepages der Hersteller diese ebenfalls in Englisch finden. Wir fangen mit der nach meiner Meinung wichtigsten Information, die man über einen Bogen haben kann, an.
Die "brace height", also die Standhöhe des Bogens, erlaubt, die grobe Characteristik eines Bogens zu beurteilen. Eine brace height um 7 Zoll ist Standard und lässt auf einen Allroundbogen schließen. Eine deutlich geringere etwa < 6 Zoll zeichnet im Allgemeinen einen schnellen aber dafür auch etwas unpräziseren Bogen aus. Er ist fürs Scheibenschießen auf Wettkämpfen bei bekannter Distanz suboptimal. Eine deutlich größere brace height also > 8 zeichnet meist einen präzisen Bogen für das Scheibenschießen auf bekannte Entfernungen aus. Ideal vor allem beim Einsatz in der Halle, wo der Pfeil nicht durch Wind gestört wird. Warum die brace height einen so großen Einfluss auf die Energie und bei konstanter Masse des Pfeiles auch auf die Geschwindigkeit hat, ist leicht aus dem Auszugsdiagramm ersichtlich. Der Anstieg des Zuggewichtes auf seinen max. Wert benötigt im obigen Diagramm 6 Zoll. Die Zugreduzierung erstreckt sich über 5 Zoll. Diese Bereiche sind nur in geringem Maße veränderbar. Ihre Auszuglänge ebenfalls nicht. Damit macht sich eine Veränderung der brace height unmittelbar in einer Vergrößerung bzw. Verkleinerung des Auszugsbereichs bemerkbar, der am meisten Energie liefert.
Eine ebenfalls nicht zu unterschätzende Kenngröße ist die IBO-Speed, nicht zu verwechseln mit der AMO-Speed. Die IBO-Speed gibt an, mit welcher Geschwindigkeit ein Pfeil eines Gewichts von 5 grain/lbs beim Abfeuern die Sehne verlässt (draw length 30Zoll, draw weight 70lbs). Ein Grain wiederum ist eine weitere für den Schützensport gebräuchliche Maßeinheit und entspricht ungefähr 0.0648 g. Beispiel: Draw Weight (Max. Zuggewicht) 70lbs => Pfeilgewicht 350 grain, was etwa 22.7 Gramm entspricht. Das Pfeilgewicht, das hierbei zugrundegelegt wird, ist sehr niedrig. Die Auszugslänge überdurchschnittlich groß gewählt. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden die Pfeile, die Sie mit diesem Bogen schießen, langsamer sein. Erwähnt werden sollte, dass die Sehne dabei keine Wicklung, keine(n) Nockpunkt(e) und kein Peep-Sight besitzt, also völlig nackt ist. Diese Begriffe werden Sie noch im weiteren Verlauf kennenlernen. Um die manchmal noch zusätzlich angegebene AMO-Speed zu erklären: draw weight 60lbs, draw length 30 Zoll, arrow weight 540 grain. Es erklärt sich von selbst, dass das AMO-Rating sehr viel niedriger ausfällt als das IBO. Sollte beim IBO-Rating kein 30 Zoll- bzw. 70lbs Modell zur Verfügung stehen, etwa weil der Hersteller dieses gar nicht baut, so wird einfach mit max. draw length bzw. beim Vorliegen eines niedrigeren draw weight mit max. draw weight geschossen. Als Pfeilgewicht wird jedoch immer 5 grain/ lbs verwendet.
Das kann manchmal zu der falschen Annahme führen, dass es sich bei einem Modell mit geringerer Auszugslänge um ein Modell mit geringerer Geschwindigkeit handelt. IBO nimmt mit höherer verfügbarer draw length zu. Eine mittlere IBO liegt bei etwa 290fps (feet per second, als Fuß pro Sekunde).
Die Angabe des draw weight ist bei einem Compoundbogen meist über Spannschrauben an den Bogenarmen veränderbar. Der Verstellbereich kann durchaus 10 - 15 lbs betragen. Das vom Hersteller angegebene Zuggewicht können Sie meistens damit nur reduzieren. Also Sie ordern beispielsweise einen Bogen mit 60lbs (manchmal wird dabei vereinfachend einfach Pfund gesagt. Dabei brauchen Sie nicht umzurechnen. gemeint sind immer lbs = engl. Pfund). Dann könnte Ihr Verstellbereich etwa von 45 lbs - 60 lbs betragen. Sie sollten hier genau nachfragen.
Die draw length ist für die meisten Bögen in verschiedenen Abstufungen wählbar. Sie sollten diese auf jeden Fall von einem erfahrenen Bogensportler bzw. Händler bestimmen lassen. Um einen brauchbaren Ausgangspunkt für die Bestimmung Ihres Auszugs zu erhalten, machen Sie folgendes: Aufrecht stehend lehnen Sie sich mit abgespreitzten Armen gegen die Wand. Die Arme halten Sie waagerecht zum Boden, die Schultern drücken Sie gegen die Wand, lassen diese aber locker hängen. Die Hände strecken Sie ebenfalls vom Körper weg und legen die Innenfläche der Hände auf die Wand. Die dabei überdeckte Strecke (Ihre Spannweite) entspricht dem oberen Wert der unten stehenden Tabelle, der Ausgangspunkt Ihrer Auszugslänge dem unteren Wert. Die Einheit ist wieder Zoll.
| 51 | 52 | 53 | 54 | 55 | 56 | 57 | 58 | 59 | 60 | 61 | 62 | 63 | 64 | 65 | 66 | 67 | 68 | 69 | 70 | 71 | 72 | 73 | 74 | 75 |
| 18 | 18½ | 19 | 19½ | 20 | 20½ | 21 | 21½ | 22 | 22½ | 23 | 23½ | 24 | 24½ | 25 | 25½ | 26 | 26½ | 27 | 27½ | 28 | 28½ | 29 | 29½ | 30 |
Beachten Sie bitte, dass es manche Bogenmodelle gibt, bei denen man die Länge anpassen kann ohne eine neue Sehne zu machen. Dies hat jedoch immer auch einen Einfluss auf das Zuggewicht. Es gilt: Verkürzung der Auszugslänge ergibt eine Reduktion im Zuggewicht. Eine Vergrößerung der Auszugslänge erhöht das Zuggewicht. Das können Sie bis zu einem bestimmten Maß durch eine Veränderung an dem Kabel wieder kompensieren. In jedem Fall benötigen Sie eine sogenannte Bogenpresse und Sie sollten genau wissen, was Sie tun. Lassen Sie also zumindest am Anfang einen Profi eine derartige Veränderung ausführen. Am besten den Händler, bei dem Sie den Bogen gekauft haben. Das empfiehlt sich schon aus Haftungsgründen.
Zu guter Letzt sei auch etwas über die Bogenlänge (Axle to Axle) gesagt. Die Angabe "Axle to Axle" gibt die Entfernung der Mittelpunkte der Achsen an, auf denen die Rollen rotieren. Streng genommen ist das also nicht die Bogenlänge. Vereinfachend werde ich im Folgenden jedoch von der "Bogenlänge" sprechen. Die Bogenlänge variert bei den Compoundbögen von 30 Zoll bis knapp über 40 Zoll. Im Durchschnitt wird jedoch eine Bogenlänge im oberen Drittel dieses Bereichs gewählt. Die kürzeren Bögen sind agiler und lassen sich leichter transportieren, da sie schlicht weniger Platz im Gepäckraum beanspruchen.. Mit agiler ist gemeint, dass Sie die Position des Bogens schneller verändern können. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn Sie mit dem Bogen jagen wollen (in Deutschland verboten) oder aber auf seltenen Turnieren mit Ihrem Bogen rennen bzw. auf dem Pferd sitzend schießen wollen. Die sehr kurzen Bögen haben aber oftmals das Problem, dass das Visier nicht genügend Platz findet, wenn man Distanzschüsse (70m und mehr) vorhat.
Bei den sogenannten Feld und Jagd - Turnieren werden Sie wohl keinen Bogen mit einer Bogenlänge jenseits von 40 Zoll finden. Sehr kurze Bögen sind aber auch dort selten. Üblich sind Bogenlängen zwischen 36-40 Zoll.